Interwies mit dem Künstler und Marine-/Militärberufsmaler Lukas Wirp

 

 

Hier möchten wir Ihnen ein Interview mit dem Militärmaler Lukas Wirp und dem Redakteur einer renommierten Militärzeitschrift vorstellen, dass sich nicht nur durch Professionalität und Authenzität, sondern auch durch Sachlichkeit und Fachkunde auszeichnet. Es wurde im November 2025 geführt.

 

 

 

RN: Vielen Dank Herr Wirp, dass Sie uns Einblicke in Ihr Atelier gestatten und einem Interwiev zugestimmt haben. Und wirklich beeindruckend, was Sie hier an Gemälden und Exponaten so alles präsentieren.  

 

Lukas Wirp: Oh, danke, es freut mich wenn Ihnen die Gemälde gefallen. Sind ja auch ein paar ausgefallene Stücke dabei. Zumindest aus Sicht von Militaria Fans ... 

 

RN: Ich habe mich natürlich vor dem Interwiev schonmal über Sie und Ihr Wirken als Militärmaler erkundigt. Sie gelten ja als einer der bekanntesten Militärmaler weltweit. Wie läßt sich das Begründen ?

 

Lukas Wirp: Na ja, zum einen sicherlich dadurch, das es weltweit gar nicht soviele Militärmaler gibt. Der Künstler an sich macht normalerweise eher einen großen Bogen um Militär. Aber auch um Malobjekte mit Stahl, geraden Linien und Technik. Also alles das, was ihnen in der Militärmalerei ständig begegnet. Mir kommt da meine fast 10 jährige Tätigkeit im Ingenieurwesen der Deutschen Lufthansa zugute. Erst, als ich aus gesundheitlichen Gründen bei der Lufthansa aufhören musste, habe ich mit meinem Kunststudium bgonnen. Mit der festen Absicht, mein technisches Ingenieurwissen mit in die Kunst einfließen zu lassen. Das habe ich ja dann auch gemacht. Vor etwas über 30 Jahren.... 

 

RN: Darf ich da gleich mal zwischenfragen ... wie alt sind sie denn ? Wenn Sie über 40 Jahre Arbeitsleben anführen.... ?

 

Lukas Wirp: ... >denkt nach<.... äh ich werde jetzt 62...

 

RN: Nein...>lacht< .. Sie sehen ja noch locker aus wie 50. Das Geheimnis müssen Sie mir später mal verraten... aber kommen wir zurück zur Frage nach dem weltweit bekannten Militärkünstler.

 

Lukas Wirp: Ja, kein Problem. Ein weiterer Grund meiner Bekanntehit und auch meiner Anerkennung ist sicherlich meine Arbeitsweise und meine Einstellung. Es geht mir ausschließlich um Militär, das Soldatentum und die Darstellung von technischem Gerät. Dabei lege ich allergrößten Wert auf technische und historische Korrektheit. Bei mir steht ein Panzer nicht einfach irgendwo so am Waldrand herum, sondern es hat auch immer ein Ereignis, die Landschaft entspricht den realen Gegebenheiten und alles muß technisch und uniformtechnisch passen. Darauf legen die Militärkunden und Sammler größten Wert. Wenn sich hier Fehler einschleichen, können sie ein solches Gemälde vergessen. Diese Präzison und Akkuratesse, die ich bei meinen Gemälden umsetze, ist sicherlich auch ein entscheidender Faktor meiner Bekanntheit. 

 

RN: Interessant. Wie sieht denn so ein Arbeitstag bei Ihnen aus ? 

 

Lukas Wirp: Also ich arbeite viel und gerne. In einer 7 Tage Woche und seit über 20 Jahren ohne Urlaub. Aber mit Freude. Morgens ab 9.30 Uhr, je nach Lichtverhältnissen, geht es mit dem Malen los. Meistens so bis in den Nachmittag hinein. Bei einigen schwierigen Passagen aber auch schonmal bis in die Nacht. Das Gemälde bestimmt die Zeit. Am Nachmittag und Abend mache ich dann die Recherchen, die eMail Beantwortungen, Gemäldentwürfe, Webseiten Bearbeitungen etc. Alles was halt so ansteht.

 

RN: Und wann Leben sie ...>lacht< ....

 

Lukas Wirp: Das ist mein Leben. Die Malerei ist das Leben. Beruf und Berufung sind hier zusammen gekommen. Ich bin sehr zufrieden damit. 

 

RN: Das merkt man Ihnen an, vielleicht ist dass das Geheimnis Ihres jüngeren Aussehens ?

 

Lukas Wirp: ...>lacht<... kann sein. Das mag ich nicht zu beruteilen. Ich mache allerdings auch viel Sport, bin in der Natur unterwegs und entspanne mich auch gelegentlich ausserhalb der Malerei.

 

RN: Kommen wir mal zu einer anderen Frage. Sie malen ja auch Motive aus dem Bereich 2. Weltkrieg. Wie gehen Sie mit diesem Thema um und gibt es da nicht auch Kritik bzw. politische Auslegungen ?

 

Lukas Wirp: Ja, das ist wirklich ein Thema für sich. Gerade hier in Deutschland. Ich persönlich habe da eine sehr klare Einstellung zu. Als Militärmaler muß ich unpolitisch und unpartaiisch sein. Sonst könnte ich ja viele Themen gar nicht malen. Grundsätzlich,und das gilt im Besonderen für den Bereich 2. Weltkrieg, male ich nur Soldaten, militärisches Gerät und historische Militärereignisse. Um Politik und die Darstellung von Politikern mache ich einen großen Bogen. Das gilt sowohl für aktuelle Politiker wie Merkel, Merz, Trump oder Putin, aber auch für Politiker des 2. Weltkrieges oder Sonstige. Ich habe weder etwas mit den politischen Systemen der Zeitepochen, die auf meinen Gemälden zu sehen sind, noch mit irgendwelchen politischen Ideologien etwas gemein. Es kommen zwar immer mal wieder Nachfragen von Kunden nach solchen Gemäldemotiven, die von mir aber strikt abgelehnt werden. Bei mir geht es um das Militär, um sonst nichts.

 

RN: Klingt einfach, aber kann man das wirklich so durchhalten ?

 

Lukas Wirp: Aus meiner Sicht als Berufsmaler mit 33 Jahren Erfahrung würde ich sagen ja. Ich mache es zumindest so. Natürlich wird immer mal wieder versucht mich in eine bestimmte politische Ecke zu drängen, aber ich verweigere mich strikt irgendwelchen politischen Auslegungen meiner Gemälde oder meiner Persongegenüber und stelle dies auch deutlich auf meinen Webseiten da.

 

RN: Ah ja, Sie meinen den Passus "In eigener Sache" auf Ihren Webseiten. Das habe ich gelesen und empfand es auch als recht deutlich. Wann sind Sie denn das letzt mal wegen Ihrer Motive angegangen worden ? Und welche Motive waren das ?

 

Lukas Wirp: Na ja, wenn man sich meine Webseiten so ansieht, versteht man schon recht schnell, das es bei mir um Militär geht. Und das es relativ ausgeglichen zugeht. Ich habe Motive aus den Bereichen 1. und 2. Weltkrieg, aber eben auch von der NVA der DDR, der Bundeswehr, der US Army, der israelischen Luftwaffe im Yom Kipur Krieg, habe sowjetische und russische Motive, UK, habe für die Fremdenlegion und sogar auch schon für die iranische Marine gemalt. Dadurch verstehen die meisten Leute sehr schnell, dass es hier nicht um Politik oder politische Systeme, sondern ausschließlich um Sodaten geht. Wenn man sich dann natürlich nur ein einziges Motiv oder Thema rauspickt, kann man es auch verzerren. Das letzte Motiv, bei dem es ein paar Kritiker gab, war interessanterweise ein Gemälde der DDR. Ich habe für einen ehemaligen Grenzsoldaten eine an sich harmolose Szene gemalt. Ein Hundestaffelführer mit seinem Schäferhund und ein Postensoldat blicken auf einer Hügelkette in die Landschaft. Ich hatte das Motiv bezüglich Kritik eigentlich gar nicht auf dem Schirm. Nach der Veröffentlichung in den Social Medien eröffneten sich allerdings einige kontroverse Diskussionen, die mich etwas überraschten. Die User haben sich dabei untereinander dermaßen befeuert, das ich das Motiv von der Social Media Seite nehmen musste. Das wurde mir irgendwie zu heftig, obwohl ich im weiteren Verlauf der Diskussion gar nichts mehr selber damit zu tun hatte. Aber der Umgang der Leute untereinander ist manchmal schon recht derb. 

 

RN: Ja, das Thema DDR ist sicherlich auch immer ein Anstoß zu Diskussionen. Sie sagten vorhin Sie lehnen auch Aufträge ab. Dazu würde ich gerne mehr erfahren. Was sind denn das genau für Aufträge und woher kommen diese ?

 

Lukas Wirp: In erster Linie lehne ich halt alles ab, was irgendwie mit Politik und nicht mit Militär zu tun haben könnte. Also Darstellungen von Politikern oder irgendwelchen politischen Veranstaltungen. Dann aber auch unrealistische Darstellungen. Also Dinge, die es so nie gab. Wie bestimmte Orden an Uniformen, Fahrzeuge, die die Division nachweislich nicht hatte etc. Ich verstehe meine Gemälde ja als eine Art historische und / oder militärische Dokumentationen. 

 

RN: Welche Politiker wurden bei Ihnen denn so angefragt ? Nennen Sie doch mal Beispiele.

 

Lukas Wirp: Also aus USA kommen gelegentlich Anfragen nach NS Politikern. Oder aus der Schweiz hatte ich vor einiger Zeit eine Anfrage, ob ich nicht den Reichsparteitag in Nürnberg von 1937 malen könnte. Aus Deutschland hatte ich schon Anfragen wegen eines Putin Portraits, aus USA dann aber auch nach Trump Portraits.Das lehne ich freundlich aber bestimmt ab. Bei mir gibt es halt nur Soldaten und deren Gerät. 

 

RN: OK, das klingt konsequent. Und wie reagieren die Leute darauf ?

 

Lukas Wirp: Also einige versuchen es durch die Erhöhung des Kaufpreises, aber die Meisten verstehen meine Argumantation auf Anhieb. Ich habe halt als Militärmaler einen sehr guten Ruf. Eben wegen der Präzision und der unpolitischen Art meiner Gemälde. Den möchte ich mir nicht durch politische Motive kaputt machen, das ist mir sehr wichtig. 

 

RN: Sie sind da sowieso schon recht vorsichtig, oder, ? Wenn man sich Ihre Webseiten so ansieht, sind alle verbotenen Symbole der NS Zeit verdeckt oder rausgelöscht. Selbst bei den Leitwerken der Flugzeuge. Aber dürften Sie, als Künstler und für die Kunst, nicht sogar die Symbole auf den Webseiten vollständig darstellen ? 

 

Lukas Wirp: Theoretisch wohl schon. Aber ich möchte mich da nicht in irgendwelche Schwierigkeiten begeben. Deshalb bin ich da lieber vorsichtig und decke sie ab. Vor über 20 Jahren hatte ich sogar mal einen Kunden, der war in hoher Führungsposition beim Verfassungsschutz. Den hatte ich damals um Hilfe gebeten, mit der Frage, was ich alles darf und was nicht. Er hat mir sehr gute Gesetzesinterpretationen an die Hand gegeben und danach richte ich mich dann auch. Manachmal vielleicht etwas zu vorsichtig, aber warum auch nicht ? Ich richte mich eben nach den Gesetzen des Landes in dem ich wohne.

 

RN: Und, wie reagieren die Kunden darauf, verstehen die das ?

 

Lukas Wirp:Also meine deutschen Kunden schon. Die kennen ja größtenteils die Gesetzeslage in Deutschland. Bei meinen ausländischen Kunden muß ich da schon recht häufig erklären, was los ist. Da kommt schon öfters mal die Nachfrage, warum mein Flugzeug auf meiner Webseite nicht das Hoheitsabezichen am Leitwerk hat. Ich versuche es dann so gut wie möglich zu erklären. Mein Englisch ist schon sehr gut. Viele verstehen es aber trotzdem nicht und ich ernte da hin und wieder schonmal ein etwas ungläubiges Kopfschütteln. Aber, so ist das halt...

 

RN: Mal eine andere Frage. Wie empfanden Sie die Trennung der Bundeswehr aus dem Traditionsrahmen der Wehrmacht und NVA ? 

 

Lukas Wirp: Also Trennung der "Bundeswehr" ist m.E. nicht ganz richtig formuliert. Die Anweisung kam in erster Linie aus der Politik. Ich persönlich habe bei den Soldaten vor Ort eher Unverständnis erlebt. Und bei den NVA Soldaten große Empörung. Das fanden viele gar nicht gut, das sie mit der Wehrmacht in einen Topf geschmissen wurden. Aber auch bei der Bundeswehr. Es ist doch nicht verwerflich, dass sich ein Soldat der Panzertruppe mit seinem Leopard Panzer für den Tiger und Panther Panzer des 2. Weltrkieges interessiert und sich irgendwie als Nachfolgepanzer betrachtet. Oder ein Artillerist der Haubitze 2000 die Haubitzen Wespe oder Nashorn als Vorläufer sieht. Hier wird mal wieder viel zu viel politisiert und alles in einen Topf gepackt. Ich hätte mir da mehr Sachlichkeit und historisches Verständnis von Militärtechnik gewünscht. Und mit Verboten kommt man da erfahrungsgemäß nicht sehr weit. Nur weil ein politisches System technisch-militärisch hochwertige und kampfstarke Waffen erfindet, sind die Waffen ja nicht gleich alle automatisch politisch. Den Tiger I Panzer empfinde ich zb. als den mit Abstsand besten Panzer des 2. Weltkrieges. Was mir auch einge Weltkriegs Veteranen wie Otto Carius, aber auch andere Tiger Fahrer bestätigten. Und da werden sicherlich auch die meisten Bundeswehr Panzersoldaten zustimmen. Also, zusammengefasst: Ich empfinde die Entscheidung als falsch. Aber.... das ist nur meine Meinung. Andere dürfen anders darüber denken. 

 

RN: Sie sind sowieso ein recht toleranter Mensch, was ich so mitbekomme, oder ?

 

Lukas Wirp: Ich denke schon. Von mir aus dürfen die Menschen denken, was sie eben möchten. Und es muß auch nicht meiner Denkweise entsprechen. Jeder hat da seinen ganz eigenen Lebensweg und seine Erfahrungen, die ihn zu dem machen, was er gerade ist. Das sollte man respektieren.

 

RN: Klingt gut. Ich möchte zum Schluß noch auf eine andere Sache zu sprechen kommen, die mich sehr interessiert. Ich habe gelesen, dass bei Ihnen so um die 140 Weltkrieg 2 Veteranen Ihre Bilder signiert haben. Was hat es denn damit auf sich ?

 

Lukas Wirp: Ja das war wirklich eine sehr spannende Sache. Vor etwa 18 Jahren wurde ich von einem Kunden angefragt, ob ein Panzergemälde von mir von einem Ritterkreuzträger, der den Panzer damals kommandiert hatte, signiert werden könne. Ich fand die Idee sofort gut und klemmte mich dahinter. Gespräche mit dem Ritterkreuzträger, Herstellung eines entsprechend haltbaren Signierstift und und und. Es mußten erstmal einge Fragen und Tests durchgeführt werden. Insbesondere die Verträglichkeit des Signierlackes mit der Ölfarbe und dem Gemäldefirnis. Und als alles geklärt war, ging es los. Ich fand die Idee so gut, dass ich die Jahre über hinweg insgesamt so um die 140 Weltkriegs Veteranen bei mir signieren ließ. Ritterkreuzträger, Träger der Nahkampfspange in Gold und auch Sondereinheiten wie die Brandenburger Versuchdivision, das Sonderkommando Elbe, Stichwort Rammjäger, und mehr. Eine sehr sehr spannden Sache mit vielen tollen Gesprächen und Informationen zu der damaligen Zeit, den Waffensystemen und den Erlebnisssen der Veteranen. Ich habe dann versucht alles in meine Gemälde mit einfließen zu lassen. 

 

RN: Wow, das klingt ja wirklich toll. Wann war denn Ihre letzte Signierung ? Es sind ja schon fast alle Veteranen verstorben.

 

Lukas Wirp: Also die war tatsächlich erst letzte Woche. Wir hatten den U-Boot Fahrer Helmit Kühne aufgesucht. mit seinen 102 Jahren noch recht fit. Er war u.a. mit dem Kleinst -U-Boot Biber in Norwegen. Zum Anfang des Krieges sogar noch als Matrose auf der Prinz Eugen. Ein wirklich spannder Termin.

 

RN: Ja, das Gemälde habe ich auf Ihrer Webseite gesehen. Das Biber U-Boot in Norwegen. Was war denn Ihr interessantester Kontakt aus dieser Zeit ?  Was würden Sie sagen...

 

Lukas Wirp: Das ist schwierig zu sagen. Es war eigentlich alles sehr spannend und historisch wertvoll. Gerade auch durch die verschiedenen Waffengattungen und Erlebnisschilderungen. Vielleicht war es aber  der Kontakt zum Ritterkreuzträger und Hauptsturmführer Rudolf von Ribbentrop. Dem Sohn des damaligen Aussenministers Joachim von Ribbentrop. Da hat man schon sehr viel in den Gesprächen erfahren und als Soldat der Division Leibstandarte hat er auch viel erlebt. Herr von Ribbentrop hat mir zuerst sogar immer noch seine Tagebuchaufzeichnungen ausgedruckt und mitgegeben, aus denen ich die Gemälde entwickelte. Er war immer sehr begeistert von den Werken und hat, über die ganze Zeit unseres Kontaktes, insgesamt 12 Gemälde bzw.Leinwände von mir signiert.

 

RN: Da kann man Sie ja richtig drum beneiden, um solche Gespräche. Zumindest als historisch interessierter Leser. Herr Wirp, vielen Dank für die Einblicke, die Sie mir hier heute gewährt haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin ein frohes Schaffen und gutes Gelingen bei Ihren Bildern. 

 

 

 

Hier geht es zu Videofilmen über die Entstehung der Gemälde:

 

"Dem Militärmaler Lukas Wirp in seinem Atelier über die Schulter geschaut.... "